Bosnien Herzegowina und Serbien
Aufarbeitung der Vergangenheit
Gewaltfreiheit ist keine Ideologie, sondern ein fortwährender Prozess das eigene Handeln, seine Meinung und die täglichen Ereignisse zu hinterfragen. (CNA)
In einer ansteigenden Spirale von Gewalt beginnt seit 1991 die Sozialistische Föderative Republik Jugoslawien in seine Bestandteile zu zerfallen. Immer mehr Menschen fliehen vor dem Krieg. Unter ihnen ist auch Nenad Vukosavljevic aus Belgrad, der Krieg aus seiner Überzeugung für Gewaltfreiheit ablehnt. Als Regierungsgegner hat er sich bereits 1986 geweigert, der allgemeinen Wehrpflicht in Jugoslawien nachzukommen. 1996 kommt er in Kontakt mit der KURVE Wustrow, die im Wendland gerade eine Ausbildung zur Friedensfachkraft anbietet. In interaktiven Einheiten über mehrere Trainingsblöcke hinweg vermittelt ein Trainingsteam Theorie und Praxis der gewaltfreien Konflikttransformation. Nenad ist einer der Teilnehmenden. Sobald der Kurs abgeschlossen ist und die Situation es erlaubt, kehrt er zurück auf den Balkan, um am Friedensaufbau mitzuwirken.
Centar za nenasilnu akciju (Centre for Nonviolent Action = CNA) ist eine Nichtregierungsorganisation, die sich seit 1997 für peace building, die Stärkung von Zivilgesellschaft, Gewaltfreiheit und grenzüberschreitende Verständigung einsetzt. Nenad ist eines der Gründungsmitglieder und inzwischen über die KURVE Wustrow als Friedensfachkraft entsandt.
Die Arbeit von CNA
Kern der Arbeit von CNA ist die Trainingsarbeit. In Basis- und Aufbautrainingskursen in Konflikttransformation und Peacebuilding hat CNA Menschen sensibilisiert, vor allem aber Multiplikatoren im erweiterten „Training von Trainern“ Programm ausgebildet. Vornehmlich sind diese in der Jugend-, Bildungs- und Sozialarbeit tätig und tragen so zur Verbreitung der Methoden, Ansätze und Inhalte bei. Immer wichtiger für die Arbeit von CNA wird die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit. Diese liegt verschüttet unter den Kriegstrümmern und wird nur sehr ungern hervorgeholt. Ohne aber einen konstruktiven Umgang mit dem Geschehen gibt es keine Zukunft, so die Überzeugung von CNA. Aus diesem Grund setzen die CNA TrainerInnen eine selbstkritische Reflektion in Gang, die sie behutsam begleiten. Darüber hinaus gibt es Diskussionsforen, die Kriegsveteranen aller Seiten eine Stimme geben. Seit 2004 begibt sich CNA dabei auf neue Wege. Neben Trainings und Diskussionsforen setzen sie verstärkt auf Medienarbeit, wie etwa die Produktion von Dokumentarfilmen. Filme, die das CNA Team produzierte, liefen bereits in regionalen wie auch nationalen Fernsehsendern. So kommt ein Prozess in Gang, der die Menschen bewegt, sich mit ihrer persönlichen Rolle vor, während und nach dem Krieg bewusst zu werden. Der Teppich, unter dem die Vergangenheit versteckt ist, hebt sich.

