Mazedonien
Entwicklung eines Curriculums für interethnische Jugendarbeit
Unsere Kinder haben Telefonnummern ausgetauscht und rufen sich zuhause an. Früher wäre das undenkbar gewesen. (Mutter einer Teilnehmerin der Trainingskurse)
Tetovo, die größte Stadt Westmazedoniens und kulturelles wie politisches Zentrum der albanischsprachigen Mazedonier, ist nach wie vor von interethnischen Spannungen und Konflikten geprägt. Es gibt kaum gemeinsame Erfahrungs- und Lebensräume für die albanisch- und mazedonischsprachige Bevölkerung. Von Schulen bis zu Kaffeehäusern ist der öffentliche Raum strikt getrennt.
Interethnische Jugendarbeit bei CBC LOJA
Diese strikte Trennung wird von der im Jahr 2000 gegründeten Organisation Centre for Balkan Communication (CBC LOJA) gezielt untergraben. Die Möglichkeit, die ethnische Spaltung zu überwinden, wird dabei gelebt: LOJA ist eine der wenigen gemischt-ethnischen Organisationen in der Region. LOJA wendet sich an Jugendliche und Menschen, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten. Im Zentrum der Arbeit steht langfristig die Förderung von Begegnung und Toleranz sowie die Unterstützung demokratischer Prozesse und die Stärkung der Zivilgesellschaft.
Bereits zwischen 2002 und 2005 unterstützte die KURVE Wustrow die Arbeit LOJA’s im Rahmen des zivilen Friedensdienstes. In mehrmonatigen Basiskursen lernten Jugendliche in ethnisch gemischten Gruppen Grundlagen der gewaltfreien Konflikttransformation und setzten sich mit Stereotypen und ethnischer Spaltung auseinander. Für viele war dies die erste Erfahrung in einer ethnisch gemischten Gruppe. LOJA bestärkt insbesondere den Glauben der Jugendlichen an die eigenen Potentiale und Möglichkeiten, Initiator für gesellschaftliche Veränderungen zu sein.
Während der Trainingskurse werden die Jugendlichen ermutigt, selbst aktiv zu werden. Es entstehen eine Tanztheater- und eine Theatergruppe – beide ethnisch gemischt.
Ein Curriculum für interethnische Jugendarbeit
Während die erfolgreiche Jugendarbeit fortgeführt wird, wächst bei LOJA das Bedürfnis, auch an anderer Stelle anzusetzen. In der täglichen Arbeit zeigt sich immer wieder, dass gerade LehrerInnen und SozialarbeiterInnen nicht auf die Arbeit mit gemischt ethnischen Gruppen vorbereitet sind und häufig selbst zur Verbreitung ethnischer Stereotypen beitragen.
In einer weiteren Kooperation im Rahmen des Zivilen Friedensdienstes arbeiten LOJA und die KURVE Wustrow deshalb ab 2008 daran, die gewonnenen Erkenntnisse und Erfahrungen direkt an Universitäten umzusetzen und nutzbar zu machen. Ziel ist dabei unter anderem die Entwicklung eines Curriculums speziell für interethnische Jugendarbeit. So soll neben der Arbeit mit Jugendlichen auch über die Arbeit mit deren (zukünftigen) LehrerInnen auf eine pluralistische Gesellschaft hingearbeitet werden.
