Palästina (Westjordanland)
Frauennetzwerke stärken
In the trainings I have learned how to communicate and how to analyse a conflict. This has taught me as well how a meeting with Israelis could be possible: If they would be ready to meet on an equal basis and admit our right to self- determination. I have to quit our role of a victim and to become able to make decisions.
Areej Hindaileh (Trainee), December 2006
Frauen in den palästinensichen Autonomiegebieten haben – im Vergleich zu Frauen in der restlichen arabischen Welt – lange Zeit relativ viele Möglichkeiten zur Partizipation am ökonomischen, sozialen und politischen Leben gehabt. Ein Großteil dieser Handlungsspielräume ist ihnen im Zuge der Verschärfung des Konfliktes seit der sogenannten zweiten Intifada jedoch wieder verloren gegangen. Heute sind sie von der schwierigen Situation in den besetzten Gebieten in besonderem Maße betroffen. Sie leiden nicht nur unter den unmittelbaren Auswirkungen der Besatzung, sondern ebenso verstärkt unter den mittelbaren. Aufgrund der desolaten Wirtschaftslage können Männer ihre traditionelle Rolle als Versorger der Familie oft nicht mehr angemessen erfüllen. Ihre Frustration entlädt sich auch in mehr häuslicher Gewalt. Die Gesellschaft unter dem Druck des Konfliktes lässt den Frauen immer weniger individuelle Freiheiten – traditionelle patriarchale Werte gewinnen zunehmend wieder an Bedeutung.
Frauenorganisationen unterstützen – Zivilgesellschaft stärken
Die Union of Palestinian Women Committees (UPWC) setzt sich seit 1980 im Rahmen von Kampagnen und Lobbyarbeit sowie mit Bildungsveranstaltungen und mit Einkommen schaffenden Maßnahmen für die Gleichberechtigung der Palästinenserinnen, für den Aufbau einer progressiven, demokratischen und auf Gleichheit basierenden palästinensischen Gesellschaft und für ein Ende der israelischen Besatzung ein. Ziel ihrer Lobbykampagnen ist z.B. ein laizistisches Familiengesetz für Palästina.
Seit Dezember 2003 unterstützt eine deutsche Fachkraft die Partnerorganisation dabei, ein umfassendes Trainingsprogramm zum Thema „Gender und Konflikttransformation“ entsprechend dem eigenen Bedarf zu entwickeln und durchzuführen. Im Rahmen des Trainingsprogrammes werden Frauen dafür sensibilisiert, ihre Rolle innerhalb der Gesellschaft zu verstehen und zu hinterfragen. Gleichzeitig geben ihnen die Seminare praktische Fähigkeiten an die Hand, wie sie mit Konflikten in ihrem Lebensumfeld konstruktiv umgehen und ihre Handlungsspielräume vergrößern können.
Trainingsstrukturen nachhaltig verankern
Durch die Ausbildung von TrainerInnen und den Aufbau regionaler Trainingsstrukturen kann die Partnerorganisation Training als neues Handlungsfeld in ihre Strukturen integrieren. Begleitend unterstützt die Fachkraft die Organisation mit Weiterbildung in Projektmanagement und Beratung zu Organisationsentwicklung.
Wie viele Organisationen in Palästina steht auch die UPWC dem Schlagwort „Friedensarbeit“ skeptisch gegenüber. Nach 40 Jahren Besatzung und verschiedensten internationalen Bemühungen und Forderungen ist „Frieden“ zu einer Worthülse geworden, die nicht zwangsläufig mit Gerechtigkeit zu tun hat. Über die Trainingsarbeit konnte sich die Partnerorganisation Konflikttransformation als Thema aneignen und in den Kontext ihres Strebens nach Gerechtigkeit und Selbstbestimmung – nicht nur für die Frauen Palästinas – stellen.








