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Interview mit Almut Hoffmann



Wenn du dich erinnerst an den Projektstart 2009, wie hast du dich damals eingelebt? Hast du die Bedingungen so vorgefunden wie du dir das im Vorfeld vorgestellt hattest?


Ich kannte Palästina schon ein wenig aus früheren Besuchen, wusste deshalb in etwa, was mich erwartet. Das Einleben war einerseits einfach, was die äusseren Bedingungen (Wohnung etc.) betraf, das echte Eintauchen in die Gesellschaft blieb die gesamte Zeit eine Herausforderung.

 


Was war das Ziel deiner Arbeit als Friedensfachkraft in Ramallah?


  • Projektarbeit in einer palästinensischen Organisation
  • Den Konflikt von Innen heraus verstehen
  • Meinen Horizont erweitern
  • Peer Mediationsprojekte implementieren
  • In Palästina leben und arbeiten



Was war ein eindrucksvolles Erlebnis oder eine Erfahrung während deiner Zeit dort?


Unzählige ...


Bezogen auf das Projekt war es sicher die Erfahrung, über 3 Jahre hinweg verschiedene Gruppen zu begleiten und mit ihnen gemeinsam die Projekte in den Schulen wachsen zu sehen. Neben einem recht starren, autoritären Schulsystem konnten sich die kleinen Mediations-Teams eine gewisse Autonomie innerhalb des Systems Schule erkämpfen.



Du bist jetzt am Ende deines dreijährigen Aufenthaltes als Friedensfachkraft. Wie fällt dein Resümee aus? Was ist jetzt anders als zu Beginn deiner Arbeit?


Ich hatte gedacht, auch die israelische Gesellschaft besser kennen zu lernen. Dies ist nicht passiert. Mein Fokus war privat und dienstlich nur in Palästina.


Ich dachte zu Anfang, ich könnte neutral sein im Konflikt bzw. all-parteilich. Das hat nicht funktioniert. Stattdessen habe ich gelernt parteiisch fuer die PalästinenserInnen zu sein und dies offensiv zu vertreten.

 


Kurz ein Wort zum Zivilen Friedensdienst (ZFD). Das Programm wird von deutschen Friedens- und Entwicklungsorganisationen getragen und vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) finanziert. Der ZFD unterstützt weltweit Projekte zur gewaltfreien Konfliktbearbeitung. Er entsendet Fachleute, die Partnerorganisationen vor Ort beraten. Krisenprävention, Gewaltminderung und langfristige Friedenssicherung zum Ziel haben. Erfüllt der ZFD in deinen Augen seinen Zweck?


Bezogen auf Projektarbeit und Kooperation mit PartnerNGOs leistet der ZFD mehr oder weniger sinnvolle Arbeit. Es gibt gute ZFD-Projekte und welche, wo man sich fragt, was die mit ZFD zu tun haben (z.B. Yoga mit christlichen Frauen).


Speziell in Palästina sollte sich der ZFD eindeutiger positionieren und diejenigen Partner unterstützen, die gewaltfrei gegen die Besatzung arbeiten bzw. gezielt in Deutschland Advocacy fuer die Menschenrechte in Palästina (verletzt durch die Besatzung) betreiben.


Die Frage der Entsendung von Fachkräften speziell nach Palästina sollte hinsichtlich ihres Mehrwertes fuer die Partnerorganisationen vor Ort überdacht werden.

 


Als letztes einen Blick auf den Konflikt insgesamt. Gibt es aus deiner Sicht eine Lösung des Problems in Palästina und Israel, im Zusammenleben von Juden und Arabern?


Es sieht nicht danach aus ... es sei denn:

  • Ende der Besatzung
  • Klärung der 3 wichtigsten Fragen: Siedlungen, Flüchtlinge und Jerusalem
  • Arbeit fuer eine Einstaatenlösung
  • Falls dies absolut unmöglich dann Zweistaatenlösung in den Grenzen von 1967



Welchen Beitrag sollte die KURVE Wustrow in diesem Konflikt langfristig leisten?


Hmmm ... vor allem Projekte und Partner unterstützen, die gezielt gegen die Besatzung arbeiten, so wie Thimnas und Martins Projekt.


Palästina braucht eine klare politische Vision fuer die Zukunft, fuer die Zeit nach einer eventuellen Staatsgründung. Warum nicht mal gezielt mit NGOs arbeiten, die sich klar politisch links verorten? (Die GUPT bezeichnet sich zwar als links, ist aber erstens keine NGO und zweitens als Fatah affiliated nicht wirklich eine unabhängige linke Organisation...)

 

 

Almut Hoffmann, 1967 geboren, studierte nach dem Abitur/Berufsausbildung in Potsdam Religionspaedagogik und ist ausgebildete Mediatorin. Sie arbeitete von 2009-2012 als Fachkraft des ZFD in Ramallah. 

Sie verstarb unerwartet im April 2015. Wir haben sie als Kollegin sehr geschätzt. Neben ihrer Professionalität und Fachlichkeit werden uns ihre Bodenständigkeit, große menschliche Wärme und ihr Humor stets in guter Erinnerung bleiben.