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Interview mit Fetle Seifu



Wenn du dich erinnerst an den Projektstart 2009, wie hast du dich damals eingelebt? Hast du die Bedingungen so vorgefunden wie du dir das im Vorfeld vorgestellt hattest?

 

Als ich im Maerz 2009 in Palaestina ankam, war ich beeindrueckt, wie hilfsbereich, kommunikativ und freundlich die Menschen in Palaestina im allgemeinen waren. Ich wurde gefragt, woher ich komme, wie ich Palaestina finde und was ich hier tun werde. Sie erzaehlten mir ueber ihre schwierige Situation bedingt durch die israelische Besatzung und wollten wissen, was ich darueber denke. Ein Taxifahrer hat zu mir gesagt " Warum bist du hier gekommen? Auch wenn das jetzt ruhig aussieht, kann sich die Situation in diesem Land jederzeit aendern. Dieses Land ist kein sicheres Land. Du haettest wo anders gehen sollen....".

Geschockt war ich, als ich ganz am Anfang mit eigenen Augen sehen konnte, was die israelische Besatzung fuer die PalaestinenserInnen bedeutet. Ich hatte die Chance mit DED (heute GIZ) KollegInnen an ihren Orientierungsveranstaltungen teilzunehemen. So konnte ich mir die Siedlungen mit eigenem Strassensystem, die Mauern, das Wasserproblem und die Checkpoints anschauen und mit israelischen FriedensaktivistInnen darueber diskutieren. Die AktivistInnen haben mir klar gemacht, dass es bei juedischen Israelis wenig Interesse ( Bewusstsein ) fuer das Problem gibt, weswegen die Friedensorganisationen wie "Peace Now "oder "Settlement Watch" schwer neue Mitglieder gewinnen koennen.

 

Obwohl ich schon vor meiner Ausreise gut informiert und vorbereitet war, war die Realitaet viel schlimmer als ich gedacht habe. Es hat mich zutiefest erschuettert.

 

 

Was war das Ziel deiner Arbeit als Friedensfachkraft in Ramallah?


Das Ziel meiner Arbeit als Friedensfachkraft in Palaestina war, Gewaltreduzierung in oeffentlichen Schulen in der West Bank durch nachhaltige Implementierung von Peermediation.

 

 

Was war ein eindrucksvolles Erlebnis oder eine Erfahrung während deiner Zeit dort?


Die Hartnaeckigkeit der Menschen in Palaestina, trotz der unertraeglichen Situation, ja zum Leben zu sagen – heiraten, Geburtstags feiern, Kinder bekommen, ihre Humor behalten, arbeiten gehen, auch wenn sie nicht sicher sind ihren Loehne und Gehaelter zu bekommen – hat mich beeindruckt.

 

 

Du bist jetzt am Ende deines dreijährigen Aufenthaltes als Friedensfachkraft. Wie fällt dein Resümee aus? Was ist jetzt anders als zu Beginn deiner Arbeit?


Projekt bezogen: Gewalt in den palaestinensischen oeffentliche Schulen hat mehrer tiefgreifende Gruende. Das Peermediationprojekt kann sicherlich zu besserem Schulklima beitragen, wenn sie nachhaltig verankert ist. Die LehrerInnen, SozialarbeiterInnen und die SchuelerInnen berichten, dass durch den Einsatz des Peermediationprojektes das Schulklima verbessert hat. Hier moechte ich betonen, dass Peermediation in Palaestina relativ neu ist, und trotzdem gibt es in den Schulen, wo das Projekt implementiert wird, mehr Akzeptanz als Ablehnung - das ist ermutigend!

Bezueglich dem Konflikt, gibt es keine grosse Schritte in Richtung Loesung. Dennoch merke ich, dass das Bewusstsein der Weltoeffentlichkeit fuer die Unterdrueckung der palaestinensischen Bevoelkerung waechst.

 

 

Kurz ein Wort zum Zivilen Friedensdienst (ZFD). Das Programm wird von deutschen Friedens- und Entwicklungsorganisationen getragen und vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) finanziert. Der ZFD unterstützt weltweit Projekte zur gewaltfreien Konfliktbearbeitung. Er entsendet Fachleute, die Partnerorganisationen vor Ort beraten. Krisenprävention, Gewaltminderung und langfristige Friedenssicherung zum Ziel haben. Erfüllt der ZFD in deinen Augen seinen Zweck?


Ja, ich bin davon überzeugt, dass die ZFD ein geeignetes Instrument ist, die Partnerorganisationen vor Ort in ihrem Vorhaben, sei es krisenpraevention, Gewaltminderung und langfristige Friedenssicherung zu unterstuetzen. Aus meiner sicht, der Do No Harm Ansatz soll sowohl beim Konzipieren eines Projektes als auch bei der Implementierung sehr gut durchgedacht werden muss als es zur Zeit der Fall ist.

 


Als letztes einen Blick auf den Konflikt insgesamt. Gibt es aus deiner Sicht eine Lösung des Problems in Palästina und Israel, im Zusammenleben von Juden und Arabern?


Hier moechte ich sowohl den Vorsitzenden der palaestinensischen Menschenrechtsorganisation Al Haq als auch eine israelische Aktivistin von der Organisation ICAHD ( Israeli Committee Against House Demolition ) zitieren.


Der Vorsitzende von Al Haq sagte " Ich zweifle keine Sekunde daran, dass wir unsere Freiheit bekommen. Die Frage ist warum muss es so lange dauern?"


Die Aktivistin von ICHAD sagte " Ich hoere oft, dass der Israel-Palaestina Konflikt waere zu kompliziert zu loesen. Ich sage nein. Es gab Kolonialismus; es gab Apartheid und jetzt gibt es das. Die Besatzung kan genauso abgeschafft werden, wie der kolonialismus und das Apartheid!" Alle beide sprachen mir aus der Seele.

 

 

Welchen Beitrag sollte die KURVE Wustrow in diesem Konflikt langfristig leisten?

 

Kurve Wustrow kann langfristig einen Beitrag leisten:

  • Empowering der palaestinensischen Zivilgesellschaft und FriedensaktivistInnen
  • Empowering der israelischen FriedensaktivistInnen
  • Bewusstseinsbildung in israelischer Gesellschaft z.B. durch cross border Projekte

 


Fetlework Seifu Diplom Oekonomin, gebuertige Aethiopierin, langjahrige Berufserfahrung im Bereich Migration, Bildungt als auch als Trainerin fuer Interkulturele Handlungskompetenz in Deutschland. Von 2009 bis 2012 taetig als Friedensfachkraft in Palaestina.