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Südasien

Ziviler Friedensdienst in Nepal

 

Auch elf Jahre nach Ende des bewaffneten Konfliktes ist die nepalesische Gesellschaft noch immer tief gespalten. Die Förderung eines friedlichen Neben- und konstruktiven Miteinanders, der Schutz von Menschen- und Minderheitenrechten sowie eine umfassende und kritische Aufarbeitung der Vergangenheit zählen zu den wesentlichsten Herausforderungen. Das schwere Erdbeben hat viel Zerstörung mit sich gebracht, aber könnte auch die Menschen zusammenführen.


Vor diesem Hintergrund unterstützen wir im Rahmen des Zivilen Friedensdienstes unsere lokalen Partner darin, folgende Hauptziele zu erreichen:

• Das Schaffen von Dialogräumen zur Förderung von lokalen Friedens- und partizipativen Entscheidungsstrukturen;

• Die Anerkennung von Menschen- und Minderheitenrechten in Nepal;

• Das stärken von Bewusstseinsbildungs- und Reflexionsprozessen im Umgang mit der Vergangenheit und Schaffen von sicheren Räumen zur Aufarbeitung von erlebten Traumata und Menschenrechtsverletzungen.

                 



Unsere Partner




Collective Campaign for Peace (COCAP)


Die nepalesische Netzwerkorganisation COCAP wurde 2003 mit Sitz in Kathmandu gegründet. COCAP fungiert als Dachorganisation für über 40 Mitgliedsorganisationen, die sich im Bereich Menschenrechte in allen Teilen Nepals engagieren. Neben weiterbildenden Trainings für seine Mitarbeiter, Freiwilligen und Mitgliedsorganisationen ist COCAP in den letzten Jahren vor allem mit umfangreichen Kampagnen zu sozialpolitischen Themen in Erscheinung getreten, u.a. zur verfassungsgebenden Versammlung und kastenbasierter Diskriminierung.


Im Rahmen des Zivilen Friedensdienstes unterstützt die KURVE Wustrow COCAP bei der Entwicklung und Implementierung effektiver Lobby- und Advocacy-Aktivitäten zur stärkeren Anerkennung von Menschen- und Minderheitenrechten:


“Establishing the Culture of Non Violent Action in Nepal”  - Eine Kultur von gewaltfreier Aktion in Nepal etablieren


Das Projekt hat das Ziel, die soziale Integration von Dalits (Angehörige der untersten Kaste – sogenannte Unberührbare – im hinduistischen Kastensystem) in der Region Far-West zu fördern. Dazu unterstützt das Projektteam den Austausch zwischen Dalit- und nicht-Dalit Gruppen und bezieht auch lokale Entscheidungsträger*innen mit ein, um größeres Verständnis für die Situation von Dalits zu schaffen. Außerdem werden die Dalits über ihre rechtliche Situation aufgeklärt.

Der zweite Schwerpunkt des Projektes ist die Arbeit mit Jugendlichen in der Terai-Region im südlichen Nepal. Vor allem Betroffene und ehemalige Mitglieder von bewaffneten Gruppen werden in Gemeindemediation (community mediation) und anderen Methoden gewaltfreier Konflikttransformation geschult, um in ihren Dörfern zur Verminderung von Gewalt beizutragen. Zudem unterstützt das Projektteam die Jugendlichen bei der Vernetzung mit möglichen Arbeitgeber*innen, um ihre Zukunftsaussichten zu verbessern und mögliche Perspektiven aufzuzeigen.




Nagarik Aawaz


Nagarik Aawaz wurde 2001 gegründet, als direkte Antwort auf die eskalierende Gewalt nach dem königlichen Massaker. Ihren Hauptsitz hat sie in Kathmandu. Sie unterstützt Gemeinden und Basisgruppen in ihrem Bestreben nach Frie­den, Gerech­tigkeit, Harmonie und Fortschritt, engagiert sich an ver­schie­denen Schnittstellen der Friedens- und Versöhnungsarbeit in Nepal und führt in diesem Rahmen eine Reihe von Programmen durch, die sich dezidiert an Zielgruppen richten, die besonders unter den Folgen des bewaffneten Konflikts zu leiden haben. Sie tut dies in erster Linie durch Mobilisierung von jungen AktivistInnen auf Gemeindeebene, die als sogenannte „Friedensbotschafter“ sowohl das soziale Miteinander als auch die Reintegration von Binnenflüchtlingen und Vertriebenen fördern.


Durch die Kooperation mit der KURVE Wustrow wird ihre Arbeit im Bereich Konflikt Transformation gestärkt und Advocacy Bemühungen unterstützt:


“Youth for Change” - Jugend für Veränderung


In diesem Projekt wird die Teilnahme von Jugendlichen an friedensbildenden Prozessen auf der Gemeindeebene gefördert. Als Multiplikator*innen sollen sie zur Stärkung der sozialen Harmonie („social harmony“) in ihren Dörfern beitragen. Hierbei baut der Partner auf ein langjährig bewährtes Konzept.

15 Jugendliche werden in fünf Gemeinden des Distriktes Lalitpur über den Projektzeitraum als sogenannte „peace volunteers“ unterstützt. Sie erhalten Trainings- und Fördermaßnahmen u.a. in den Bereichen gewaltfreie Konflikttransformation, Mediation sowie psychosoziale Unterstützung. Sie sollen in ihren Gemeinden sowohl als Ansprechpersonen sowie Multiplikatoren fungieren und mit Unterstützung des Projektes selbstständig friedensbildende Aktivitäten zwischen verschiedenen Akteuren der Gemeinde organisieren. So wurden im letzten Jahr von den Jugendlichen weitestgehend eigenständig Aktivitäten wie Mal- und Gesangswettbewerbe an Schulen, Austauschtreffen zwischen Frauengruppen und soziale Aktivitäten im Rahmen religiöser Festivals organisiert. Zudem waren die Jugendlichen eng in Hilfsmaßnahmen der Partnerorganisation nach dem Erdbeben im April 2015 eingebunden.

In jeder der fünf Zielgemeinden wurden sogenannte „Peace Center“ etabliert und ausgestattet, die als Arbeitsraum für die Jugendlichen und Versammlungsstätte für andere Gruppen (z.B. Frauengruppen, Minderheitengruppen, etc.) aber auch als sicherer Raum für psychosoziale Beratungsangebote dienen.




SUPPORT Nepal


SUPPORT Nepal engagiert sich seit 1996 in der Friedensförderung. Ziel der Organisation ist es, die existierenden Ungleichheiten und Benachteiligungen zu beseitigen, denen ethnische, religiöse und linguistische Minderheiten, Madeshi, Dalits und insbesondere auch Frauen ausgesetzt sind. In den Räumlichkeiten der Organisation angesiedelt ist das Sekretariat der National Federation of Minorities in Nepal (N-FEM), bei dem es sich um einen Dachverband von mehr als 210 Minderheitengruppen handelt. SUPPORT Nepal unterhält ein Kontaktbüro in Katmandu, arbeitet jedoch vorwiegend im östlichen und westlichen Terai und tritt für die aktive Beteiligung der Minderheitengruppen am Prozess der Erarbeitung einer neuen Verfassung und neuer Gesetze ein, so dass deren Anliegen dort angemessen berücksichtigt werden.


Im Rahmen des Zivilen Friedensdiensts unterstützt die KURVE Wustrow Support Nepal über Gruppengrenzen hinweg effektive Training-, Lobby- und Advocacy-Aktivitäten durchzuführen, bei denen die Förderung der Beteiligung und Inklusion von Minderheitengruppen im Zentrum steht:


“Mainstreaming Minority Rights for Sustainable Peace” - Minderheitenrechte für nachhaltigen Frieden etablieren


In der Projektkooperation sollen lokale NGOs in ihren Bemühungen gestärkt werden, für die Rechte von Minderheiten und gesellschaftlichen Randgruppen einzutreten. Dazu gehört auch der Einsatz für eine inklusive Gestaltung politischer Entscheidungen.

Hauptkomponente ist die Durchführung von Workshops zur Vermittlung von Ansätzen und Strategien zur effektiven Anwaltschaftsarbeit (advocacy) für lokale Organisationen in verschiedenen Distrikten. Aufbauend auf dieses Wissen werden in weiteren Workshops konkrete Kampagnen geplant und durch gewählte Kampagnenkomitees umgesetzt. Ziel ist es, die bisher eher vereinzelt arbeitenden Akteure  zu gemeinsamer Kampagnenarbeit zu ermutigen, um so relevante lokale Themen effektiv aufzugreifen. Begleitet werden die umgesetzten Kampagnen durch lokale Radiostationen, die die in den Kampagnen behandelten Themen in einfach verständlichen Programmen in verschiedenen lokalen Sprache aufbereiten.




Women for Human Rights


“Weaving the web: Access to justice for conflict affected women on TRC process” - Das Netz weben: Zugang zu Gerechtigkeit im Übergangsjustizprozess für vom Konflikt betroffene Frauen


Ziel ist die Stärkung der geschlechtsspezifischen  (gender) Perspektive innerhalb des Transitional Justice (Übergangsjustiz) Prozesses und die strukturierte Dokumentation von Fällen von Frauen, die Opfer sexueller Gewalt während des Bürgerkrieges in Nepal geworden sind.

Seit ihrer Gründung arbeitet die Organisation mit alleinstehenden Frauen durch sogenannte „Single Women Groups“ (Gruppen alleinstehender Frauen). Neben der Rechtsaufklärung und Ermächtigung (empowerment) der Frauen werden Sie auch im Bereich der Existenzgründung unterstützt. Mittlerweile hat WHR in fast allen Distrikten single women groups etabliert und verfügt somit über ein gutes Netz an Frauengruppen auch in abgelegenen Regionen des Landes. Innerhalb der Gruppen sind ein Großteil der Frauen auch durch den Bürgerkrieg betroffen. Zwar bestehen bereits Opfergruppen und –netzwerke, allerdings mangelt es häufig an einer expliziten Gender Perspektive. Die Dokumentation frauenspezifischer Fälle, insbesondere Fälle sexueller Gewalt, aus der Zeit des Bürgerkrieges ist unzureichend. Durch eine strukturierte Fallsammlung, -dokumentation und follow-up soll vor allem im Rahmen bestehender Opferbewegungen sowie des staatlichen Wahrheits- und Versöhnungsprozesses in Nepal ein verstärktes Bewusstsein für frauenspezifische Bedürfnisse geschaffen werden sowie mit Blick auf die Aufarbeitung der Vergangenheit die Ereignisse des Bürgerkrieges umfassender beleuchtet werden. Neben der Organisation und Trainings für die vom Konflikt betroffenen Frauen auf Gemeindeebene soll die Thematik auch auf nationaler Ebene durch die Zusammenarbeit mit Schlüsselakteuren auf die Agenda gebracht werden. Einen wesentlichen Bestandteil stellt hierbei auch eine intensive psychosoziale Arbeit mit und für die Frauen dar.




Asian Academy for Peace, Research and Development


“Towards fostering social cohesion: Engaging youth, women and marginalized groups for peace and social harmony in Nepal”  - Sozialen Zusammenhalt fördern: Jugendliche, Frauen und marginalisierte Gruppen für Frieden und soziale Harmonie gewinnen


In diesem Projekt liegt der Fokus auf der Arbeit mit marginalisierten Gruppen, vor allem Frauen und Jugendlichen, auf Gemeindeebene. Unter anderem durch die Vermittlung von Ansätzen gewaltfreier Konflikttransformation soll der soziale Zusammenhalt (social harmony) in den jeweiligen Gemeinden gesteigert werden. .

Die Aktivitäten beinalten Trainings in den Bereichen Mediation und Methoden gewaltfreier Konflikttransformation, sowie  die Vernetzung marginalisierter Gruppen mit relevanten Schlüsselakteuren auf Gemeinde- und Distriktebene, um die Möglichkeiten ihrer Interessensvertretung zu verbessern.

Darüber hinaus soll im Rahmen des Projektes eine Studie zu sozialen Bewegungen in Nepal mit dem Fokus auf Betroffene des Bürgerkriegs  erstellt werden, die einen Überblickt sowohl über die vielfältigen Gruppen als auch deren vorherrschende Themen geben soll.




Projekt im Rahmen der BMZ-Sonderinitiative „Fluchtursachen bekämpfen, Flüchtlinge reintegrieren“


Im Rahmen dieses durch die Sonderinitiative „Fluchtursachen bekämpfen, Flüchtlinge reintegrieren“ geförderten Projektes werden ausgesuchte Mitarbeiter*innen der Partnerorganisationen aus dem ZFD Programm über den Projektzeitraum im Bereich der psychosozialen Betreuung vor allem von sogenannten IDPs (internally displaced persons – interne Vertriebene) und Selbstfürsorge geschult, mit dem Ziel diese Wissen in ihrer eigenen Praxis umzusetzen sowie das Bewusstsein für die Relevanz psychosozialer Arbeit innerhalb ihrer Organisationen zu verbessern und bestenfalls organisationsinterne Änderungsprozesse an zu stoßen.


Projektdaten im Überblick



Titel:

„Stärkung lokaler Friedenskapazitäten unter Berücksichtigung von Menschen- und Minderheitenrechten“


Partner:

Collective Campaign for Action (COCAP)

Nagarik Aawaz 

SUPPORT Nepal 

Women for Human Rights

Asian Academy for Peace, Research and Development


Friedensfachkräfte:

Hauke Steg-Böttcher (COCAP)

Johanna Sell (Nagarik Aawaz)

Esther Mydla (Asian Academy for Peace, Research and Development)

Chris Hartmann (Regionalkoordinator)



Ansprechpartnerin: Laura Weber lweber(at)kurvewustrow.org