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Ziviler Friedensdienst feiert 20 Jahre

 

 

++++ Wir gratulieren und freuen uns, dass wir seit 20 Jahren den Zivilen Friedensdienst mitgestalten können. +++

→  die Pressemitteilung mit allen wichtigen Zahlen und Fakten.

→  die neue Jubiläumsbroschüre von allen 9 Entsendeorganisationen “Frieden kann – aber wie kann Frieden”

→  Schwitzen für den Frieden. Mach mit bei der Fotokampagne “Sweat for Peace” und lade dein Lieblingsfoto hoch. Denn Frieden ist jede Anstrengung wert.

 

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Ein Rückblick aus unserer Sicht

Ohne Waffen Frieden sichern

20 Jahre Ziviler Friedensdienst – Zurzeit Projekte in 45 Ländern

Von Annedore Smith

Jugendliche aus verfeindeten Volksgruppen lernen sich in einem Fotokurs näher kennen. Opfer von politisch motivierter Gewalt erhalten Unterstützung bei der Überwindung ihrer Traumata. Frauen in Krisengebieten werden über ihre Rechte aufgeklärt und darin bestärkt, diese gezielt einzufordern. Dies sind einige Beispiele für die praktische Arbeit des Zivilen Friedensdienstes (ZFD), der in dieser Woche sein 20-jähriges Bestehen feiert.

Gegründet wurde der ZFD 1999 vor dem Hintergrund der Kriege im ehemaligen Jugoslawien und des ersten Auslandseinsatzes der Bundeswehr im Kosovo-Krieg. Friedensorganisationen plädierten damals dafür, keine Soldaten, sondern zivile Friedensfachkräfte (FFKs) in Konfliktregionen wie den Balkan zu entsenden. Dahinter stand und steht bis heute die Überzeugung, dass sich Frieden weder verordnen, noch mit Waffengewalt erzwingen lässt. Denn Frieden ist mehr als nur das Schweigen der Waffen oder die Beendigung eines bedrohlichen Zustands. Ein dauerhafter Frieden muss von den Betroffenen selbst getragen werden, was oft nur nach einem langen Versöhnungsprozess möglich ist. Diesen Prozess beratend zu unterstützen, ist Kernaufgabe der Fachkräfte des Zivilen Friedensdienstes.

Die 1998 ins Amt gewählte rot-grüne Bundesregierung verschaffte dem ZFD die notwendige gesetzliche Grundlage als „Programm für Gewaltprävention und Friedensförderung in Krisen- und Konfliktregionen“. Finanziert vom Bundesentwicklungsministerium wurden ein Jahr später die ersten zivilen Fachkräfte auf den Balkan entsandt, um eine Wiederannäherung der früheren Kriegsparteien zu fördern. Seitdem waren rund 1.400 FFKs in mehr als 600 ZFD-Projekten in fast 60 Ländern tätig. Zurzeit sind weltweit 330 Fachkräfte in 45 Ländern im Einsatz – die meisten von ihnen in Afrika sowie im Nahen Osten, aber auch in Lateinamerika, Asien und Süd-Ost-Europa.

Beispielhaft für ein erfolgreiches ZFD-Projekt ist die Arbeit der Nichtregierungsorganisation LOJA in Nordmazedonien. Dort kam es 2001 zu blutigen Auseinandersetzungen zwischen der mazedonischen Mehrheitsbevölkerung und der albanischen Minderheit. Mit internationalem Druck konnte zwar ein Bürgerkrieg verhindert werden, doch die Volksgruppen blieben einander feindlich gesinnt und leben bis heute meist völlig isoliert von einander. In dieser Situation wandte sich LOJA mit künstlerischen Angeboten an Kinder und Jugendliche aus allen Volksgruppen und brachte sie in Foto- und Computerkursen spielerisch zusammen. Beratende Unterstützung erhielt die Organisation von der KURVE Wustrow, der Bildungs- und Begegnungsstätte für gewaltfreie Aktion e.V. im norddeutschen Wendland.

Heute gilt LOJA als landesweit anerkanntes Zentrum für inter-ethnische Kooperation. Man beließ es nicht nur bei Programmen für Jugendliche, sondern richtete sich auch gezielt an deren Lehrkräfte. Gemeinsam mit einer FFK aus Deutschland wurde ein universitäres Curriculum für inter-ethnische Jugendarbeit entwickelt, das heute an allen mazedonischen Universitäten ein fester Bestandteil der Seminarpläne für Lehramtsstudierende ist. „Die KURVE Wustrow hat uns in einer tief gespaltenen Gesellschaft einen neutralen Ausgleichspunkt geboten und viele neue Ideen eingebracht, Das war sehr wichtig für unsere professionelle Entwicklung“, betont LOJA-Gründer und Direktor Bujar Luma.

Die Kooperation der beiden Organisationen ist beispielhaft für die Vorgehensweise des Zivilen Friedensdienstes. Deutsche Fachkräfte arbeiten stets mit lokalen Partnern zusammen, denn nur die lokale Bevölkerung kann sicherstellen, dass Frieden in ihrer Region Bestand hat. Diese Partner gilt es, in Schulungsprogrammen für ihre Friedensarbeit zu stärken. Gefördert wird etwa der Aufbau von Diaologforen, in denen ein Austausch über die Ursachen und Auswirkungen der lokalen Konflikte stattfinden kann – eine äußerst wichtige Voraussetzung für Versöhnung. Ebenso wichtig ist es, negative Stereotypen und Feindbilder abzubauen, vor allem in Schulbüchern sowie in den Medien, die zu einer konfliktsensiblen Berichterstattung angehalten werden. Ferner gilt es, die örtliche Rechtssicherheit zu stärken, damit Opfergruppen ihre Rechte einfordern können und bislang missachtete Menschenrechte künftig gewahrt bleiben.

Letzteres geschieht unter anderem in Nepal, rund 20 Jahre lang Schauplatz gewaltsamer Auseinandersetzungen zwischen der Regierung und Aufständischen, die sich als Vertretung benachteiligter Volksgruppen bezeichneten. Die KURVE Wustrow arbeitet in Nepal vor allem mit Frauenorganisationen zusammen. Frauenrechte sind ein besonderes Anliegen des Zivilen Friedensdienstes, denn Frauen werden in Krisengebieten besonders häufig Opfer von Gewalt und Unterdrückung. Zugleich aber können gerade Frauen mit entsprechender Schulung den Friedensprozess voran bringen. „In unserer Kultur traut man Frauen nicht zu, zwischen verfeindeten Parteien zu vermitteln und eine Lösung für gesellschaftliche Konflikte zu finden“, sagt Sabita Jaiswal aus der Ortschaft Kachorba. „Doch die Trainings der KURVE Wustrow haben mir genau dafür die notwendigen Fähigkeiten vermittelt und zugleich mein Selbstwertgefühl gestärkt.“

Bildungsarbeit ist neben der Beratung die Hauptaufgabe der in Krisengebiete entsandten ZDF-Fachkräfte. Immer geht es um die Überwindung von Konflikten ohne jegliche Gewaltanwendung und in klarer Abgrenzung vom Militär. „Wir scheuen keine Konflikte“, lautet das Motto des Konsortiums Ziviler Friedensdienst, in dem neun ZFD-Entsendeorganisationen, darunter die KURVE Wustrow, zusammengeschlossen sind. „Frieden geht“, wurde im Jubiläumsjahr als weiteres Motto hinzugefügt. Bundesentwicklungsminister Gerd Müller findet für diese Arbeit lobende Worte: „Frieden ist die Basis von allem: Ohne Frieden ist die Überwindung von Armut, von Hunger, Not und Elend weltweit nicht möglich. Der ZFD leistet seit 20 Jahren hervorragende Arbeit in einer Zeit, in der globaler Frieden nötiger ist denn je.“