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Textlicher Rückblick
„Jetzt erst recht“: Jahrestagung 2025 erkundet Strategien gegen Rechtsextremismus

Mit einer Anzahl von Haikus und vielen inspirierenden Impulsen gingen die mehr 60 Teilnehmenden aus der Jahrestagung der KURVE Wustrow. Manche*r war richtig bewegt von der Energie, die in den anderthalb Tagen im Seminarraum des Tagungshauses, in den Gängen und am Mittagstisch freigesetzt wurde - durch Zuhören, Reden, sich Verbinden. 

Dabei war das Thema des Treffens alles andere als heiter gewesen: Wie lässt sich autoritären und rechtsextremen Tendenzen wirksam entgegentreten? Welche Strategien helfen, Menschen für Vielfalt, Menschenrechte und eine lebendige demokratische Kultur zu gewinnen? Die Fragen der Jahrestagung 2025 knüpften an die Diskussion der vergangenen Jahre an. Die Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus stand diesmal unter dem Motto „Jetzt erst recht“.

Zuhören, reden, sich verbinden - was die Menschen in der Jahrestagung berührte, ist gleichzeitig die Essenz wirkungsvollen Engagements. Das zeigte das Podiumsgespräch am Samstagmorgen mit Gästen aus vier Organisationen, das KURVE-Geschäftsführerin Anja Petz schwungvoll moderierte. 

„Weil ich Angst habe vor Krieg und militärischer Machtergreifung, verstehe ich die militärischen Antworten nicht“, bekannte Jochen Neumann. Er erklärte, wie der Bund für Soziale Verteidigung derzeit eine Modellregion für Soziale Verteidigung im Wendland aufbaut. Der Kern des Projekts sind direkte Gespräche.

Auch die Bewegungsschule aus Berlin setzt auf einladende Gespräche, zu Mietrecht oder Gesundheit, in Städten wie Cottbus und Dresden. Ziel sei es, dass Menschen jenseits der eigenen Blase aktiv werden und gemeinsam Veränderung lernen. „Das ist anstrengend. Dafür braucht man einen langen Atem und viel Selbstfürsorge“, erläutert Mika. 

Lisa und Anek von Polylux bestätigten das. „Wir wollen die Leute nicht allein lassen“, betonte Lisa. Die beiden unterstützen mit dem Netzwerk, das nach dem DDR-Tageslichtprojektor benannt ist, Initiativen der ländlichen Zivilgesellschaft in Ostdeutschland. „Wir setzen auf positive Botschaften durch Vernetzung“, betonte Anek. Es gehe darum, in Kontakt zu bleiben.

Wie wichtig es ist, überhaupt in Kontakt zu treten, veranschaulichte Nenad Vukosavljević. Er berichtete, wie das Centre for Nonviolent Action im früheren Jugoslawien Veteranen ehemals verfeindeter Gruppen zusammenbringt. Seine Beispiele von schwierigen Gesprächen mit Andersdenkenden und ihrer Wirksamkeit berührten das Publikum. Wichtig sei, das Gesagte auch zu leben, betonte Nenad.

Um Sprache und Glaubwürdigkeit war es bereits am Vorabend der Tagung gegangen. Kommunikationsberater Johannes Hillje hatte in einem Impulsvortrag dazu aufgerufen, in der Politik mehr Emotionen zu wagen, statt sie durch technokratische Sprache auszugrenzen. „Emotionen können Türöffner sein für politische Botschaften“, sagte der Autor.

Anhand von Studien und Beispielen veranschaulichte er, wie Parteien den Angstbotschaften von Rechtspopulisten eine demokratische Emotionskultur entgegensetzen und den Menschen eine Brücke von ihren Ängsten in eine optimistische Zukunft bauen könnten. „Wir müssen Zumutungen, aber auch Chancen und Verbesserungen ehrlicher ansprechen“, forderte Hillje. 

Ganz in diesem Sinne endete die Jahrestagung mit positiven Botschaften und viel Energie. Nach einer kreativen Explosion in Versform gingen die Gäste auseinander mit der festen Absicht, der Überidentifikation mit der Machtlosigkeit etwas entgegenzusetzen: den Mut zu gewinnen.