Gedenken, Erinnern, Mahnen, VersöhnenDer Umgang mit der Vergangenheit bleibt eine komplexe, aber notwendige AufgabeAm 11. Juli 2025 jährte sich der Genozid von Srebrenica zum 30. Mal. An diesem Tag gedenken wir der mehr als 8300 zwischen dem 11. Und 19. Juli 1995 ermordeten Bosniak*innen und erinnern an die Mädchen und Frauen, die systematische sexualisierte Gewalt und Vergewaltigungen erlebt haben. Der Tag erinnert uns daran, wozu Menschen fähig sind, wenn sie durch politische, ideologische und Machinteressen gezielt beeinflusst werden.„Srebrenica“ - dieser Name ist den meisten Menschen in Deutschland vielleicht noch bekannt. Doch die Folgen von Krieg und Gewalt, mit denen die Menschen in Bosnien und Herzegowina bis heute umgehen müssen, sind hierzulande oftmals vergessen oder gleiten auf Grund anderer multipler Krisen der Gegenwart aus dem Bewusstsein. Die Menschen vor Ort aber müssen mit den Auswirkungen des Genozids und weiterer im Krieg begangener Verbrechen leben und mit den Wunden und Verlusten, die diese Ereignisse in ihr Leben und die Gesellschaft gerissen haben. In dieser Hinsicht sollte „Srebrenica“ weit mehr sein als nur der 11. Juli.„Srebrenica“ soll uns eine fortwährende Warnung und ein Weckruf sein, der Betroffenen von Genozid und Kriegsgewalt zu gedenken, Erinnerungen wachzuhalten, Leid anzuerkennen, Verantwortlichkeiten zu benennen und das erneute Entstehen von Feinbildern und Gewalt zu verhindern, insbesondere in Zeiten sich nach rechts bewegender Diskurse und nationalistischer Rhetorik.Doch wie muss ein Gedenken aussehen, in dem Opfer und Betroffene ihre angemessene Anerkennung erfahren und Verantwortlichkeiten benannt werden können? Das nicht wieder Hass und Gewalt schürt und für politische Ziele instrumentalisiert wird? Wie müssen wir vorgehen, wenn wir das Leid Betroffener anerkennen wollen, ohne die leidvolle Erfahrungen anderer in Abrede zu stellen oder zu übersehen, aber auch ohne zu relativieren?Wie können Räume geschaffen werden, in denen Menschen mit ihren Erfahrungen Gehör finden, in denen sie die Chance bekommen, vorsichtig wieder zusammenzufinden und ihr Gegenüber wieder als Mensch wahrzunehmen?Gedenken kann verbinden, Solidarität schaffen und dazu beitragen, einen Umgang mit Traumata zu finden. Dazu brauchen wir eine inklusive Erinnerungskultur, über ethnische und kulturelle Grenzen hinweg.Unsere Partner in Bosnien und Herzegowina stellen sich seit vielen Jahren der Aufgabe, der Schwere und den Verletzungen der Vergangenheit eine konstruktive nach vorne gerichtete Kraft abzuringen, die es zulässt, Trennendes zu überwinden und ein gemeinsames Morgen ermöglicht. Sie stellen nationalen Heldenerzählungen die Erinnerung an das persönlich Erlebte und die persönliche Begegnung entgegen. Oftmals geschieht dies mit Schmerz und Anstrengung. Unsere Partner begegnen dem mit Ausdauer und der Überzeugung, dass es sich lohnt, sich über alle Unterschiede hinweg für das Verbindende und ein Miteinander einzusetzen, wie die Erfolgsgeschichten ihrer Arbeit und die Veränderungen in lokalen Communities zeigen. Mehr über unsere Versöhnungsarbeit im Rahmen des Zivilen Friedensdienstes auf dem Balkan