Palästina / Israel

Unser Ansatz

Die offiziellen Friedensbemühungen stagnieren. Frustration darüber macht sich breit und birgt ein hohes Risiko für eine erneute Gewalteskalation. Gleichzeitig setzen sich zivilgesellschaftliche Gruppen in Palästina und Israel mit gewaltfreien Methoden für ein Ende der Besatzung und einen gerechten Frieden ein.

Vor diesem Hintergrund unterstützen wir im Rahmen des Zivilen Friedensdienstes unsere Partner darin, folgende Ziele zu erreichen:

  • Akteur*innen und Initiativen, die Teil der gewaltfreien, menschenrechtsbasierten Bewegungen sind, haben ihre Kapazitäten der Partizipationsmechanismen, der Interessen-Äußerung und gewaltfreien Durchsetzung dieser erweitert und insbesondere Frauen und Frauen-Initiativen entwickeln eigene Formen der Beteiligung.
  • Akteur*innen und Initiativen, die Teil der gewaltfreien, menschenrechtsbasierten Bewegungen sind, verfolgen effektivere Ansätze und Strukturen, die zu ihrem Schutz und dem Schutz anderer Menschenrechtsverteidiger*innen beitragen.
  • Akteur*innen und Initiativen, die Teil der gewaltfreien, menschenrechtsbasierten Bewegungen sind, erarbeiten Lobby- und Advocacy-Strategien. Sie erreichen mit ihren Anliegen, insbesondere der Förderung und dem Schutz von Menschenrechten und (W)HRDs, eine breitere Öffentlichkeit sowie relevante Entscheidungsträger*innen in der Region und im Ausland, damit sich diese effektiver für eine Beendigung der Besatzung einsetzen.

Mehr aus den Projekten

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Soziale Bewegungen nach der erneuten Eskalation

Was unsere Partner über die Geschehnisse der vergangenen Wochen berichten und welche Perspektiven sich für die Friedensbemühungen der gewaltfreien Bewegung ergeben.

Sami Hureini (Youth of Sumud) Begleitung Schüler*innen

Wieder Partner vor Gericht

Unser Partner Sami Hureini wird in einem politischen Prozess für seinen gewaltfreien Aktivismus angeklagt. Wir fordern das sofortige Einstellen des Verfahrens. Mehr lesen und Video anschauen!

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Werkstatteröffnung: „RWEISAT for Wood Art“

Feierliche Werkstatteröffnung: Ein bewegender und stolzer Moment. Er gibt Einblick in die Errungenschaften der Frauen und ihrer neuen Werkstatt „RWEISAT for Wood Art“.

Fotobuch Sumud

Fotobuch

"Sumud - Existence is Resistance". Die Frauen aus Al-Walajah gärtnern und handwerkern und leisten damit Widerstand. Das Buch zeigt anhand ihrer eigenen Fotografien und Erläuterungen wie ein Überleben hinter Checkpoints und Stacheldraht möglich ist. Sumud heißt hier Widerstandskraft. 

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Multimediale Reportage

Hintergrundinformationen zu Palästina, zum Dorf Al-Walajah und dem Gartenprojekt der Dorffrauen. Mit Texten und Fotos sowie Audios und Videos .

Unsere Partner in der Region:

7amleh, das Arabische Zentrum für die Förderung sozialer Medien, ist eine 2013 gegründete Nichtregierungsorganisation, die sich für die digitalen Rechte der Palästinenser*innen einsetzt. Ihr Ziel ist es, einen sicheren, fairen und freien digitalen Raum für Palästinenser*innen zu schaffen.

7amleh forscht zu Themen, die sich auf die digitalen Rechte der Palästinenser*innen beziehen, mit einem Schwerpunkt auf dem Recht auf Zugang zum Internet und digitalen Märkten, der Meinungsfreiheit und Versammlungsfreiheit im Netz und dem Datenschutz. Die Organisation bietet palästinensichen Aktivist*innen, Menschenrechtsverteidiger*innen und zivilgesellschaftlichen Organisationen Fortbildungsmöglichkeiten zu digitalen Rechten, digitalem Aktivismus und (gendersensibler) digitaler Sicherheit.

Wir kooperieren seit 2019 mit 7amleh und arbeiten seit Oktober 2020 gemeinsam an der Entwicklung einer Datenbank für digitale Rechte. Diese Datenbank dokumentiert Verletzungen digitaler Rechte und hat zum Ziel, Aktivist*innen, Menschenrechtsverteidiger*innen und zivilgesellschaftliche Organisationen dabei zu unterstützen, solche zu erkennen und damit umzugehen. Dazu gehört der Zugang zu rechtlicher Unterstützung oder zu Informationen, die dabei helfen, sich gegenüber Entscheidungsträgern, politischen Verantwortlichen und der Öffentlichkeit effektiver für digitale Rechte einzusetzen.

Der Human Rights Defenders Fund (HRDF) ist eine israelische Nichtregierungsorganisation, die 2011 im Kontext von vermehrten Verletzungen der Rechte von Menschenrechtsverteidiger*innen und Einschränkungen der Arbeit von Menschenrechtsorganisationen in Israel und den besetzten Palästinensischen Gebieten gegründet wurde.

In erster Linie bietet HRDF den Menschenrechtsverteidiger*innen, die von der Justiz verfolgt werden juristische Unterstützung und Vertretung, damit sie ihre Arbeit fortführen können und wissen, dass sie nicht allein sind. Außerdem stellt HRDF den Menschenrechtsverteidiger*innen und ihren Anwält*innen juristisches und fachliches Handwerkszeug durch Forschung, Dokumentation, Fortbildungen und Informationsaustausch zur Verfügung.

Die KURVE Wustrow kooperiert mit HRDF seit 2020 in verschiedenen Bereichen, z.B. beim Datenmanagement, der Weiterbildung und der internationalen Advocacy-Arbeit. Für uns ist die Zusammenarbeit mit HRDF entscheidend, um mit Rechtshilfe und Beratung für friedliche Bewegungen und Initiativen gegen die Besatzung in Israel und Palästina den gewaltfreien Widerstand der Bevölkerung zu unterstützen.

Seit 2015 arbeiten wir mit der selbstorganisierten Fraueninitiative im Dorf Al-Walajah nahe Bethlehem zusammen. Die Dorfbevölkerung ist zunehmenden Repressionen durch das israelische Militär ausgesetzt: immer mehr Checkpoints werden gebaut und damit die Bewegungsfreiheit weiter eingeschränkt. Häuser werden demoliert oder eingerissen. Zudem ist das Dorf bedroht, von der Separationsmauer komplett umschlossen zu werden.

Schwerpunkt unserer Zusammenarbeit ist es, den Willen der Frauen zum Sumud - „Existence is Resistance“ - zu unterstützen. Sie gestalten ihre Hinterhöfe und Gärten, bauen Möbel und lernen Workshops anzuleiten. Ihren Handlungsspielraum für eine bessere Lebensqualität gilt es zu steigern. Denn für Palästinenser*innen bedeutet es bereits einen Erfolg, unter verschärfter Repression Sumud zu zeigen - sprich standzuhalten.

Video über die Landnahme des Dorfes Al-Walajah / Englisch.

Youth Against Settlements (YAS) ist eine gewaltfreie palästinensische Jugendinitiative, die 2008 in Hebron gegründet wurde und ausschließlich von Freiwilligen getragen wird. Es handelt sich um eine Basisinitiative, die sich mit gewaltfreiem Widerstand und internationalen Kampagnen gegen die militärische Besatzung von Hebron und Palästina durch den Staat Israel engagiert. Eines der Hauptziele von YAS ist der gewaltfreie Widertand gegen die Besetzung, Annexion und Abriegelung der Altstadt von Hebron mittels Öffentlichkeits- und Lobbyarbeit, schützender Präsenz und Aufklärung der Bewohner*innen.

Einer der Gründer von YAS ist Issa Amro, ein bekannter Aktivist und international anerkannter Menschenrechtsverteidiger.

Unsere Zusammenarbeit mit YAS umfasste im Laufe der Jahre verschiedene Vorhaben, so z.B. die Ghost Town Fotoausstellung 2016, eine Fortbildung zu Medien und Geschlechtergerechtigkeit 2020, Trainings in Selbstfürsorge und Organisationsentwicklung sowie gemeinsame internationale Advocacy-Aktivitäten.

Youth of Sumud (YOS) ist eine von Jugendlichen geführte palästinensische Aktivistengruppe von Menschenrechtsverteidiger*innen im Westjordanland, die sich dem Widerstand gegen die israelische Besatzung und die Ausweitung illegaler Siedlungen durch gewaltfreien Widerstand verschrieben hat. YOS besteht aus rund 20 Menschenrechtsverteidigern aus der Region Masafer Yatta in den südlichen Hebron-Hügeln.


Seit 2019 arbeitet die KURVE Wustrow mit Youth of Sumud zusammen und unterstützt die Aktivisten auf unterschiedliche Weise.  YOS ist im gesamten Westjordanland tätig und begleitet und schützt dabei Schulkinder und Hirten vor den Schikanen israelischer Siedler*innen und Soldat*innen, protestiert gegen den Abriss von Häusern, restauriert historische Olivenhaine, überwacht und dokumentiert Menschenrechtsverletzungen und organisiert weitere Aktivitäten mit Mitteln des gewaltfreien Widerstands. Im Rahmen ihrer Bemühungen, palästinensische Familien zu ermutigen, auf ihr ursprüngliches Land und in ihre Höhlenwohnungen zurückzukehren, aus denen sie 1999 gewaltsam vertrieben worden waren, nachdem das israelische Militär das Gebiet zur militärischen Sperrzone erklärt hatte, bewohnt YOS trotz häufiger Angriffe militanter Siedler*innen eine der Höhlen und bietet dort 24 Stunden lang Schutz. Für ihre mutige Arbeit wurde YOS, vertreten durch Sami und Sameeha Huraini, mit dem Frontline Defenders Award 2021 ausgezeichnet.

Zochrot (auf Hebräisch „wir (Frauen) erinnern uns“) ist eine feministische israelische NGO, die seit 2002 versucht, in der israelischen Gesellschaft die Anerkennung der Ungerechtigkeiten der Nakba und der daraus resultierenden Verantwortung sowie ein neues Verständnis des Rechts auf Rückkehr der palästinensischen Flüchtlinge als notwendige Wiedergutmachung dieses Unrechts zu etablieren. Die Nakba, auf Arabisch „Katastrophe“, bezeichnet die Flucht und Vertreibung von über 700.000 Palästinenser*innen im Kontext der Gründung des Staates Israel im Jahr 1948.

Mit dem Ziel, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass die Nakba in der Gegenwart fortwirkt, und eine öffentliche Debatte über das Recht auf Rückkehr der palästinensischen Flüchtlinge anzustoßen, organisiert Zochrot kostenlose öffentliche Touren zu zerstörten palästinensischen Orten. Daran nehmen verschiedene arabische und jüdische Menschen teil, wie z.B. Studierende und Schüler*innen, Aktivist*innen, Künstler*innen, Journalist*innen, Flüchtlinge und heutige Bewohner*innen der Ortschaften.

Zochrot ist vor allem für ihre iNakba-App bekannt, eine digitalen Landkarte Israels, in der die zerstörten palästinensischen Ortschaften zu finden sind, die in klassischen Landkarten nicht auftauchen.

Seit August 2020 arbeiten wir mit Zochrot an der Entwicklung einer neuen App, der iReturn App, ein innovatives Instrument für die Advocacy-Arbeit, das Tausenden Nutzer*innen Zugang zu neuen Informationen über die Nakba bieten und dazu dienen soll, neuen Stimmen aus der Bewegung für Rückkehr Gehör zu verschaffen. Denn wir wollen mit diesem Projekt nicht nur an die Vergangenheit zu erinnern, sondern auch eine Zukunft entwerfen, in der die Rückkehr der palästinensischen Flüchtlinge ihren Platz hat.

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Projektdaten im Überblick

Titel:

„Gewaltfreie Initiativen und Menschenrechte stärken"

Friedensfachkräfte:

Angelina Hoeher
Dario Rossi D’Ambrosio
Dagmar Seybold (Regionalkoordinatorin in Al-Walajah)

Ansprechperson

Nicole Schenda

nschenda [at] kurvewustrow [dot] org (nschenda(at)kurvewustrow.org)

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