__________________________________________________________________Erfolgreiche Konferenz in Ohrid in Nordmazedonien __________________________________________________________________„Es ist schlicht einzigartig, wie eine kleine NGO es geschafft hat, ein so riesiges Netzwerk für die regionale Kooperation der Universitäten auf dem westlichen Balkan aufzubauen.“ Memet Memeti, Professor für Sozialwissenschaften an der Süd-Ost-Europa-Universität (SEEU) im nordmazedonischen Tetovo, ist voll des Lobes für LOJA, langjährige Partnerorganisation der KURVE Wustrow. Die anderen Teilnehmenden der „Konferenz zur Friedenserziehung auf dem westlichen Balkan“ pflichten ihm bei. „LOJA ist unsere treibende Kraft“, betont Tatjana Atanasoska, Professorin für Erziehungswissenschaften an der Universität St. Kliment von Ohrid (UKLO) in Bitola. Die von LOJA initiierte Konferenz Anfang November 2025 in Ohrid brachte führende Akademiker*innen für Erziehungs- und Sozialwissenschaften aus sechs Universitäten Nordmazedoniens zusammen. Zu ihnen stießen Professor*innen vergleichbarer Fakultäten aus Hochschulen der fünf regionalen Nachbarländer Albanien, Bosnien-Herzegowina, Kosovo, Montenegro und Serbien. Die sechs West-Balkan-Staaten sind seit 2014 miteinander verbunden im so genannten Berliner Prozess zur Unterstützung ihrer Bestrebungen auf dem Weg in die Europäische Union. In Ohrid am gleichnamigen See ging es um die „Verankerung multikultureller Jugendarbeit in den universitären Curricula für künftige Lehrkräfte“. Für Lehramtsstudierende in Nordmazedonien sind entsprechende Module bereits Pflichtfach. Auf der Konferenz herrschte nun Einigkeit darüber, dass dies auch in den übrigen Ländern des westlichen Balkans anzustreben sei. In der akademischen Welt ist die gemeinsame Kooperation damit ein großes Stück vorangekommen. Auch für LOJA, Centre for Balkan Cooperation (CBC), ist dies ein gewaltiger Schritt nach vorn.Die Nichtregierungsorganisation (NGO) aus Tetovo begann um die Jahrtausendwende damit, Jugendliche aus den einstmals verfeindeten Volksgruppen des ehemaligen Jugoslawiens in kreativen Freizeitaktivitäten zusammenzubringen. LOJA bedeutet „Spiel“ in der albanischen Sprache, und ganz bewusst spielerisch war auch der Ansatz der intendierten Versöhnungsarbeit. Schnell war jedoch klar, dass eine multikulturelle Bildungsarbeit für den Frieden nicht auf der privaten Ebene stehenbleiben darf, sondern auch in den staatlichen Institutionen verankert sein muss. In Kooperation mit der KURVE Wustrow wurde daraufhin ein spezielles Curriculum entwickelt, um künftige Lehrkräfte für eine effektive Friedenserziehung zu sensibilisieren. Der Lehrplan enthält theoretische Module zu Demokratie, Anti-Diskriminierung und Menschenrechten, einschließlich der Rechte von Minderheiten und Benachteiligten, sowie Studien zu Ethnien und Kulturen, Nationalismus und Multi-Kulturalismus. Gleichzeitig geht es um kultur-sensibles Unterrichten für Frieden, Demokratie und soziale Gerechtigkeit. Damit verbunden sind praktische Lehraufträge, die bei der Einführung des Curriculums vor gut 15 Jahren in Nordmazedonien noch gar nicht üblich waren. Praktisch ausgerichtet ist ferner ein von LOJA organisiertes „Interaktives Training in konstruktiver Konfliktbewältigung“, in dem künftige Lehrkräfte auch für ein Engagement in sozialen Bewegungen gewonnen werden sollen. Denn in gezielten Aktionen für gemeinsame Belange können ethnisch geprägte Ressentiments überwunden und damit der Frieden gefördert werden. Das Curriculum von LOJA und der KURVE Wustrow wurde erstmals im Jahr 2008 an der Süd-Ost-Europa-Universität in Tetovo erprobt und erlebte in den folgenden Jahren einen wahren Siegeszug durch nordmazedonische Bildungsinstitutionen. Es wurde ebenfalls zum festen Bestandteil des Lehramtsstudiums an der Staatlichen Universität von Tetovo (SUT) sowie an den Universitäten von Stip, Bitola und Skopje, wobei an der dortigen St. Kyrill und Method Universität (UKIM) heute gleich zwei erziehungs- und sozialwissenschaftliche Fakultäten die einschlägigen Kurse anbieten. Als letzte übernahm auch die junge Mutter-Teresa-Universität in Skopje dieses Curriculum für Friedenspädagogik. LOJA hat sich damit von einer Grasswurzel-Organisation zum führenden Akteur der multikulturellen Jugendarbeit entwickelt – zuerst in Nordmazedonien und bald schon darüber hinaus. Denn LOJA-Gründer und Direktor Bujar Luma knüpfte Kontakte zu den Hochschulen der Nachbarländer, um sie ebenfalls für die Verankerung einer Friedenserziehung im Curriculum für künftige Lehrer*innen zu gewinnen. So wurde in Sommerschulen und anderen akademischen Zusammenkünften ein großes Netzwerk für den Austausch von Studierenden und Lehrkräften aufgebaut. Der November-Konferenz in Ohrid kommt nun eine geradezu historische Bedeutung zu. Erstmals waren Universitäten aus wirklich allen sechs West-Balkan-Ländern vertreten und demonstrierten Einigkeit in ihrem Bekenntnis zur Friedenserziehung. „LOJA etwas geschafft, was unseren Politiker*innen noch nie gelungen ist, nämlich uns alle hier an einen Tisch zu bringen“, resümierte Fabdi Osmani von der SUT in Tetovo am Ende des zweitägigen Treffens. „Das wird nicht nur unsere Universitäten, sondern auch unsere Länder näher zusammenbringen. Zum ersten Mal gehen wir gemeinsam eine ganz große Sache an“, ergänzte Lulzim Ademi von der Pädagogischen Fakultät in Skopje. Dabei war man sich durchaus darüber im Klaren, dass noch viele Hürden zu nehmen sind. In Arbeitsgruppen wurden die bevorstehenden Herausforderungen erörtert, die sich nicht zuletzt auf den mitunter schwerfälligen Verwaltungsapparat von Hochschulen beziehen. Das Curriculum akkreditiert und in den einschlägigen Fakultäten verankert zu bekommen, könnte noch ein Kraftakt werden, den man nun aber gemeinsam meistern will. Hoffnungen schöpfte man aus der Tatsache, dass es sich hier um eine Initiative von unten nach oben handelt, nicht um eine Anweisung von oben, wie Memet Memeti von der SEEU betonte. Dadurch sei mit einer breiteren Unterstützung für das Vorhaben zu rechnen, selbst wenn noch viele Detailfragen zu klären seien. Enthusiasmus war auf der Konferenz jedenfalls spürbar. Die Teilnehmenden einigten sich auf eine Roadmap für die schrittweise Umsetzung der Pläne und die Intensivierung der künftigen Zusammenarbeit. Vor allem wurde der Wunsch laut, die interaktiven Trainings auszuweiten, die LOJA einst gemeinsam mit der KURVE Wustrow entwickelt hatte. Davon profitieren nun Studierende aus allen sechs West-Balkan-Ländern. „Wir sind volljährig geworden“, resümierte Blerim Jashari, ein regelmäßiger Trainer bei den LOJA-Kursen, mit Verweis darauf, dass die Bemühungen um das Curriculum für multikulturelle Jugendarbeit vor 18 Jahren begonnen hatten. Direktor Bujar Luma betonte, dass dieser erfolgreiche Prozess ohne die Unterstützung der KURVE Wustrow kaum möglich gewesen wäre. Dies sei ein klarer Beweis dafür, dass sich im Rahmen des Zivilen Friedensdienstes (ZFD) eine langfristige Kooperation auszahle. Wiederholt beschrieb Luma seine Vision einer „Western Balkan Academy for Peace-Building and Civic Activism“, an deren Zustandekommen sich alle Hochschulen der Region beteiligen sollten. Hier gehe es darum, akademische Friedensbildung mit praktischen Kampagnen zu verbinden, wie sie die Universitäten kaum anbieten könnten.Ist das ein realistischer Plan? LOJA-Trainer Dimce Josifovski weist darauf hin, dass auch die flächendeckende Verankerung des ursprünglichen Curriculums vor rund 15 Jahren noch als „Mission Impossible“ gegolten habe. Denn die Universitäten hätten sich zunächst gegen eine Kombination von formellen und informellen Bildungselementen gesträubt. Doch heute sei dieses Programm weithin anerkannt und erfahre immer mehr Beachtung, wie die Konferenz gezeigt habe. So sei er zuversichtlich, dass auch das, was heute noch als „Mission Impossible“ gelte, in weiteren 15 Jahren Wirklichkeit geworden sei. Die Autorin des Artikels, Annedore Smith, nahm im November 2025 an der Konferenz in Ohrid teil.