Trauer um Hagen Berndt

Hagen Berndt Porträt

Nachruf

Hagen Berndt

† 17.11.2021

Voll Trauer müssen wir Abschied nehmen von Hagen Berndt, unserem langjährigen und prägenden Wegbegleiter, der am 17.11.2021 in Salzwedel verstorben ist.

Hagen war von 1992 bis 2000 pädagogischer Leiter der KURVE Wustrow und anschließend bis 2002 deren Geschäftsführer. In dieser Zeit war er der führende Kopf und die treibende Kraft, um neue Ideen und Ansätze nicht nur in der KURVE Wustrow, sondern in der deutschen Friedenslandschaft zu etablieren. Er entwickelte die pädagogischen Konzepte für eine Friedensfachkraftausbildung und für das Internationale Training für Gewaltfreiheit im Kontext von Krieg und bewaffnetem Konflikt – ein dreiwöchiges englisch­sprachiges Training, das noch heute jedes Jahr in der KURVE Wustrow durchgeführt wird. Auch bei der Umsetzung der Idee des Zivilen Friedensdienstes (ZFD) hatte er in den 1990er Jahren den Mut und die Weitsicht, mit bescheidenen Mitteln die Entsendung professioneller Friedensfach­kräfte mit Leben zu füllen- heute ist der ZFD ein wesentlicher Bestandteil der deutschen Friedenspolitik und wird vom Bundesministerium für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit gefördert.

Die ersten ZFD-Projekte der KURVE Wustrow, z.B. mit dem Centre for Nonviolent Action (CNA) in Sarajevo und Belgrad zeigen seit 1997 erfolgreich auf, wie lokale Friedensakteure gestärkt werden können. Noch heute arbeiten wir mit diesen Partnern im ehemaligen Jugoslawien eng zusammen – unser Verständnis von Partnerschaft auf Augenhöhe hat Hagen von Anfang an geprägt.

Seit dem Ende seiner Tätigkeit in der Leitung der KURVE Wustrow brauchte Hagen zunächst Abstand. In den Jahren 2005/ 2006 unterstützte er uns maßgeblich, als ein fast schon gescheitertes, euro­päisches Kooperationsprojekt einen zweiten Anlauf nehmen musste. Das von ihm entwickelte Curriculum für diese europäische Trainer*innenausbildung setzte er auch erfolg­reich und nachhaltig als Trainer um.

2020, zum 40. Jubiläum der KURVE Wustrow, porträtierten wir Hagen als einen von zwölf Menschen, deren Geschichte zeigt: „Gewaltfreiheit wirkt“. Im Interview betonte er:

„Praktische Friedensarbeit muss immer im eigenen Land beginnen und dort fest verankert sein!“

Nicht nur, dass Hagen die internationale Friedensarbeit der KURVE Wustrow auf den Weg gebracht hat, er wirkte auch hier vor Ort. Im gewaltfreien Widerstand gegen die Atom­mülltransporte nach Gorleben und die dort geplante Endlagerung war er genauso tatkräftig aktiv und vertrat in unterschiedlichen Widerstandsgruppen nachdrücklich seine Idee gewaltfreier Aktion. Diese Haltung hielt er dann auch bei verschiedenen Aktionen vorbildhaft durch. Diese gelebte Gewaltfreiheit Hagens hat unzählige Menschen auf der ganzen Welt beeindruckt; er zeigte sie in seiner Rolle als Trainer und Aktivist, als Zuhörer und Impuls­geber, als Macher und Visionär.


Hagen hatte noch viel vor:    
Erst im Herbst dieses Jahres hat Hagen mit uns und anderen Akteuren für seine neue Wirkungsstätte beim Verein zur Förderung der Bildung im benachbarten Salzwedel ein großes Projekt für die Etablierung der Kom­munalen Konfliktbearbeitung in Deutschland erarbeitet. Auch diesen neuen Ansatz hat er maßgeblich geprägt und vorangetrieben.

Wir sind sehr traurig, dass wir von Hagen Abschied nehmen müssen.

Als pädagogischer Leiter und Geschäftsführer hat er eine ganze Dekade in der Geschichte der KURVE Wustrow geprägt, die noch heute positiv nachwirkt. Er hinterlässt eine große Lücke in der deutschen Friedenslandschaft.

Wir sind ihm sehr dankbar und werden ihn nicht vergessen.

Unser tiefes Mitgefühl gilt seiner Familie.

Ehemalige und aktuelle Vorstände, Geschäftsführung und Team der KURVE Wustrow

Sein Wirken für unsere Bildungsstätte ist in zwei Artikeln nachzulesen: