„Trotz allem halte ich an einer kleinen Hoffnung fest – dass die Zukunft Gerechtigkeit bringen wird, dass unsere Stimmen irgendwann gehört werden und dass ich eines Tages wieder meinen Geburtstag feiern kann, in Frieden, mit den Menschen, die ich liebe, frei von Angst und Verlust.“ - Awdah Hathaleen, April 2025 (Foto: Emily Glick)Palästinensischer Menschenrechtsaktivist von israelischem Siedler erschossenAm 28.07.2025 wurde Awdah Hathaleen in seinem Heimatdorf Umm al-Kheir im besetzten Westjordanland von einem israelischen Siedler erschossen. Vor wenigen Tagen hat unser Partner Human Rights Defenders Fund (HRDF) eine Erklärung zu seinem Tod veröffentlicht, die wir hier in deutscher Übersetzung teilen. Awdah war ein enger Freund und Partner aller unserer Partnerorganisationen in der Region – Youth of Sumud, All That’s Left und HRDF selbst. Sein Tod ist nicht nur ein unermesslicher Verlust für seine Familie und sein Dorf Umm al-Kheir, sondern auch ein schwerer Schlag für die gesamte Menschenrechtsarbeit, die wir gemeinsam mit unseren Partnern unterstützen.Umm al-Kheir liegt in der Region Masafer Yatta, im Süden des besetzten Westjordanlands, unweit von Hebron. Diese ländliche Gegend besteht aus mehreren kleinen palästinensischen Dörfern. Sie sind von israelischen Siedlungen umgeben und seit Jahrzehnten von Abriss, Enteignung und Siedlergewalt bedroht. In den vergangenen zwei Jahren hat sich diese Gewalt dramatisch zugespitzt: Fast täglich kommt es zu schweren Angriffen auf Häuser und Felder, zu Sachbeschädigungen, massiver körperlicher Gewalt und immer häufiger auch zu tödlichen Angriffen auf Bewohner*innen. In dieser bedrohlichen Umgebung organisierte Awdah gemeinsam mit unseren Partnern gewaltfreien Widerstand und internationale Solidarität.Die Erklärung von Human Rights Defenders Fund (HRDF) und Vorstandsvorsitzendem Sahar Vardi in der Übersetzung:"In tiefster Trauer nehmen wir Abschied von unserem lieben Freund Awdah Hathaleen. Er war Menschenrechtsverteidiger, lokaler Aktivist und zentrale Stimme seiner Gemeinde und wurde am 28.07.2025 im Dorf Umm al-Kheir in Masafer Yatta von dem israelischen Siedler Yinon Levy erschossen. Awdah war erst 31 Jahre alt – ein hingebungsvoller Vater von drei kleinen Söhnen, ein geliebter Lehrer und ein unermüdlicher Verfechter von Gerechtigkeit und Frieden.Der Angriff ereignete sich, als bewaffnete Siedler in Begleitung eines Bulldozers in das Dorf eindrangen und begannen, Privatgrundstücke und Infrastruktur zu zerstören. Als die Dorfbewohner versuchten, die Zerstörung aufzuhalten, wurde Levy – der unter internationalen Sanktionen steht – dabei gefilmt, wie er seine Pistole zog und das Feuer eröffnete. Awdah wurde durch einen Schuss in die Brust tödlich verletzt und später im Soroka-Krankenhaus für tot erklärt. Ein weiterer Bewohner, Ahmad Hathaleen, wurde schwer verletzt, als er von der Schaufel des Bulldozers am Kopf getroffen wurde.Als israelische Militär- und Polizeikräfte eintrafen, nahmen sie den Schützen nicht fest. Stattdessen nahmen sie fünf palästinensische Einwohner und zwei internationale Aktivisten – einen Amerikaner und einen Italiener – aufgrund von Levys Anschuldigungen fest. Erst später in der Nacht wurde Levy selbst festgenommen.Alle Festgenommenen erhielten vor dem Verhör Rechtsbeistand von unserem HRDF-Team. Die internationalen Festgenommenen werden nun an die Bevölkerungs- und Einwanderungsbehörde überstellt. Die palästinensischen Festgenommenen werden weiterhin von dem von HRDF finanzierten Anwalt Nasser Odeh vertreten.Die Gewalt der Siedler stellt weiter eine tödliche und eskalierende Bedrohung für palästinensische Gemeinden dar, insbesondere in Gebiet C des besetzten Westjordanlands. Unter der Führung von Nationalsicherheitsminister Itamar Ben Gvir hat die israelische Polizei nicht nur versagt, sondern bewusst weggeguckt. Wie eine aktuelle Untersuchung von i24 zeigt, handelt es sich hierbei nicht um einen Fehler, sondern um eine politische Strategie, die darauf abzielt, Ben Gvir und seine extremistische Basis zu beschwichtigen. Erst letzte Woche berichteten wir über einen weiteren tödlichen Vorfall, bei dem zwei Palästinenser von Siedlern ermordet wurden. Awdah war ein unermüdlicher Verfechter des gewaltfreien Kampfes zum Schutz seines Dorfes. Er hat unzählige Aktivisten in seinem Haus willkommen geheißen, darunter auch mich und andere von HRDF, und uns mit Herzlichkeit, Großzügigkeit und Offenheit aufgenommen. Sein unerschütterlicher Optimismus, seine freundliche Art und seine grenzenlose Energie haben alle, die ihn kannten, nachhaltig beeindruckt und uns immer wieder dazu motiviert, uns noch engagierter für den Kampf seines Dorfes einzusetzen, der Dorfgemeinschaft in ihrer Trauer beizustehen, an ihrer Seite zu kämpfen und echte Solidarität zu zeigen. Awdah wird für immer als eine Säule seiner Gemeinde und der gesamten Menschenrechtsbewegung in Erinnerung bleiben, als mutige Stimme für Gerechtigkeit und Frieden. Sein Tod hinterlässt eine tiefe Lücke in seiner Familie, seiner Gemeinde und in unseren Herzen."Awdah, möge deine Erinnerung eine Revolution sein.Wir vermissen dich schon jetzt sehr."Mehr über unsere Arbeit im Rahmen des Zivilen Friedensdienstes in Palästina/Israel hier