12 Menschen 12 Geschichten

Gewaltfreiheit wirkt

Im Jahr 2020 feiern wir das 40-jährige Bestehen unseres Vereins. Anlässlich dessen haben wir Geschichten über gelungene gewaltfreie Aktionen eingesammelt, denn "Gewaltfreiheit wirkt". Wir hören von listigen Aktionen, unbequemen Fragen und manchmal von wagemutigen Blockaden.

Lest, was alte und neue Weggefährt*innen berichten: Margit Albers, Wolfgang Hertle, Hagen Berndt, Michael Schneider, Lihi Joffe, Fin Kuhl, Nenad Vukosavljević, Albulena Karaga, Jana Burke, Katja Tempel, Singham Ponnampalam und die Frauengruppe aus Al-Walaja. 

Alle 12 Geschichten im Überblick:

Margrit Albers Aktion

„Kein böser Bube kommt in unsere Stube“

Widerstand muss auch Spaß machen – Stets dem Prinzip der Gewaltfreiheit verpflichtet

Dass Gewaltfreiheit wirkt, steht für Margrit Albers außer Frage. „Es gibt wissenschaftliche Studien, die das eindeutig belegen“, betont die 73-Jährige, die der KURVE Wustrow seit deren Gründung eng verbunden ist. Mit Gewalt könne man vielleicht mehr Aufmerksamkeit auf sich ziehen, aber letztlich zerstöre man damit genau das angestrebte Ziel. „Wenn man eine Welt ohne Gewalt schaffen will, muss man sie auch ohne Gewalt aufbauen können“, ist Margrit überzeugt. „Man muss das Ziel in seinen Aktionen vorweg nehmen.“

Fin Kuhl Aktion

Ziviler Ungehorsam gegen Ungerechtigkeiten

Ökologisch verträgliche Lebensweise nach den Lehren Gandhis – Solidarisches Engagement für die Belange von Asylsuchenden

„Wenn ich offensichtlichen Ungerechtigkeiten begegne, muss ich mich einfach engagieren, um Veränderungen zu bewirken“, sagt Fin Kuhl aus Blütlingen bei Wustrow. Solidarität mit von Unrecht Betroffenen ist für ihn ein wichtiger Grundsatz, der ihn – wenn immer notwendig – auch zu Aktionen des zivilen Ungehorsams motiviert. Der Same wurde früh gesät: Seine Eltern sind seit Jahrzehnten im Anti-Atom-Widerstand des Wendlands aktiv. Fin organisierte schon als Teenager eine Schüler*innendemonstration gegen die Castor-Transporte nach Gorleben.

Michael Schneider Aktion

Opernarien und ein „Oscar“ für den Innenminister

Vom Wendland über Zürich und Berlin als Friedensfachkraft nach Nepal – Erinnerungskultur als Form des gewaltfreien Widerstands

„Der gewaltfreie Widerstand gegen die Castor-Transporte hat meine Kindheit und Jugend entscheidend geprägt“, erinnert sich Michael Schneider aus Lomitz im Wendland. Seine Eltern waren in der Anti-Atom-Bewegung aktiv, da wurde zu Hause sehr viel über die Bedeutung und potenzielle Wirkung von gewaltfreien Aktionen diskutiert. Auch die internationale Friedensarbeit spielte eine große Rolle.

Hagen Berndt Aktion

„Internationale Friedensarbeit muss im eigenen Land beginnen“

Grenzüberschreitende Zusammenarbeit gelingt nur auf Augenhöhe – Friedenslogik als Grundlage für gewaltfreies Handeln

„Wir haben schon fachlich qualifizierte internationale Friedensarbeit geleistet, bevor der Zivile Friedensdienst 1999 etabliert wurde.“ Hagen Berndt blickt gerne zurück auf die 1990er Jahre, in denen er die Arbeit der KURVE Wustrow entscheidend mitgeprägt hat. Als Pädagogischer Leiter war er seinerzeit verantwortlich für die „International Trainings“, die seit 1994 angeboten werden und bis heute ein Markenzeichen der Bildungs- und Begegnungsstätte für gewaltfreie Aktion geblieben sind. Entscheidend war und ist für Hagen in diesem Zusammenhang: „Die internationale Kooperation darf nicht einseitig sein."

Wolfgang Hertle Aktion

Gewaltfreier Widerstand mit internationaler Dimension

Vom Larzac in Frankreich ins norddeutsche Wendland – Erfahrungsaustausch als Katalysator für erfolgreiche Aktionen

„Wir wollten politische Bildung verbinden mit gewaltfreien Aktionen in einer Region, die unmittelbar von einem Konflikt betroffen war.“ Mit diesen Worten erklärt Wolfgang Hertle die Idee zur Gründung einer „Bildungs- und Begegnungsstätte für gewaltfreie Aktion“ im Wendland vor 40 Jahren. Auslöser war der 1977 gefasste Regierungsbeschluss, Gorleben zum Standort für Atommüllanlagen zu machen. Die Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg bat um Unterstützung

Lihi Joffe Aktion

Eine feministische Perspektive für Frieden im Nahen Osten

Jüdische und palästinensische Frauen vereint gegen israelische Besatzung – Jugendliche zu gewaltfreien Aktionen für Menschenrechte angespornt

„Frauen können sehr viel erreichen, wenn sie zusammenarbeiten. Ihre feministische Perspektive kann eine ganze Gesellschaft transformieren. Dies ist besonders wichtig in Israel.“ Eine feministische Perspektive bedeutet für Lihi Levian Joffe Empathie und Solidarität sowie die Bereitschaft, mit einer offenen und inklusiven Haltung voneinander zu lernen. Dies könne in einem Land mit häufiger militärischer Konfrontation zur Förderung des Friedens und zur Wahrung der Menschenrechte beitragen.

Albulena Karaga Aktion

Bildung als starke Kraft für sozialen Wandel

„Dealing with the past” ein äußerst sensibles Thema in Nordmazedonien – Entzweite ethnische Gruppen vereint in gewaltfreier Aktion

„Ich halte es für einen Trugschluss zu glauben, Gewaltfreiheit wirke nicht, wenn man ihr nie eine Chance gegeben hat. Gewaltsame Interventionen haben in der Vergangenheit doch kaum etwas erreicht. Wir müssen uns stärker und länger um einen Erfolg von gewaltfreiem Handeln bemühen und dafür die nötigen Mittel bereitstellen. Und eine der wirksamsten Ressourcen ist Bildung.“ Bildung kann nach Ansicht von Albulena Karaga einen nachhaltigen Wandel bewirken.

Jana Burke Aktion

Eine Stimme der Jugend für den Frieden

Forderung nach Anerkennung der Standpunkte junger Menschen – Advocacy für die Umsetzung friedenspolitischer UN-Beschlüsse

„Für mich stellt sich einfach die Frage, in was für einer Welt wir künftig leben wollen, und da darf man die Belange der jungen Generation nicht ignorieren.“ Jana Burke ist überzeugt, dass junge Menschen maßgeblich zu einer friedlichen Welt beitragen können, so dass ihre Standpunkte auf gesellschaftspolitischer Ebene berücksichtigt werden müssen. Deshalb engagiert sich die frühere weltwärts-Freiwillige der KURVE Wustrow im „United Network of Young Peacebuilders“.

Nenad Vukosavljević Aktion

Die „Feinde“ als Menschen wahrnehmen

Schwierige Versöhnungsarbeit nach den Kriegen im ehemaligen Jugoslawien – Mit Gewaltfreiheit den Hass der selektiven Erinnerung überwinden

„Erst wenn man die ‚Feinde‘ persönlich kennenlernt und als Menschen wahrnimmt, kann das hasserfüllte Schwarz-Weiß-Denken von Freund und Feind überwunden werden. Solange das nicht gelingt, besteht immer die Gefahr, dass gewaltsame Konflikte wieder aufleben.“ Für Nenad Vukosavljević ist dies schon seit 25 Jahren eine ständige Motivation, die früheren Kriegsparteien im ehemaligen Jugoslawien direkt miteinander in Kontakt zu bringen.